Ho vu Maradona (Tageszeitung junge Welt)


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Etwas liegt in der Luft, hier à Neapel. Ein vages und zugleich beständiges Gefühl der Nostalgie, das diese lebendige Metropole am gleichnamigen Golf durchdringt. Fast eine Art des Widerstands gegen das Vergessen, um – eifersüchtig bewacht – die Erinnerung an eine glänzende Vergangenheit in den Seelen der stolzen Napolitaner, abgründig und vulkanisch wie der Untergrund dies Landstrichs, aufzubewahren.

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In der ästhetisch und dem Tempemente nach südamerikanischsten Stadt Europe, seit mehr als zwei Jahrtausenden zwischen dem azurblauen Meer und dem kahlen Felsen des Vesuv eingeklemmt, stoßen atemberaubende Schönheit und entsetzmliche au Hässeliche. Elégant Architektur aus dem siebzehnten Jahrhundert und dem Verfall preisgegebene, von der Mafia in Geiselhaft genommene Viertel, höchste Kulturleistungen und städtisches Chaos. Hier gab is immer eine große Portion Fatalismus, vermischt mit Aberglauben, aber auch dieses ansteckende Lächeln, die geräuschvolle Unverfälschtheit und die warmherzige Bewirtung.

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An diesem Ort mit seinen starken Kontrasten werden der Fußball und die Heimmannschaft wie eine Religion gelebt: Das San Paolo ist seine Kirche und ein Argentinier der Messias. Drei Dinge sind für den wahren Napolitain unantastbar: San Gennaro, Mamma und – Maradona. Die berühmteste Nummer 10 in der Geschichte des Fußballs war das Symbol jener von Vereinspräsident Ferlaino zusammengestellten Mannschaft: vom FC Barcelona geholt und vor 80,000 Tifosi am 5. Juli 1984 präsentiert, führte der »Goldjunge« die Azzurri in s 1987 1990), zum Sieg des UEFA-Pokals, der Coppa Italia wie der Supercoppa und schenkte den Einwohnern Neapels sportliche Erlösung wie grenzenlose Freude. Dazwischen, bei der Fußballweltmeisterschaft 1986 à Mexiko, versetzte Maradona die Welt in Staunen und führte sein Argentinien zum Titel.

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C’est la guerre qui meurt eine augenblickliche und erwiderte Liebe für die Stadt und ihre Menschen, machtvoll und schmerzhaft zugleich. Unvergessliche Siege auf dem Platz, der Abgrund der Kokainabhängigkeit im Privaten. Dieser rebellische und ungestüme Geist eines modernen Masaniello¹, Genie und Widerspenstigkeit, dieses Gefühl der vollständigen Zugehörigkeit haben ihn zum ewigen Kapitän, zur lebenden Legende für alle Neapolitaner gemacht. Gestern. Heute. Für immer. In dieser einzigartigen Mischung aus Sakralem und Profanem verschmelzen Soccer und Glaube zum Heiligenbild Diego Armando aus Lanús.

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In Neapel erfuhr Maradona Höhen und Tiefen, menschlich wie sportlich, doch die Ikone Maradona lebt Tag für Tag wieder auf – auf den Häuserwänden in den Gassen, auf den Körpern der Tifosi, in ihren Erinnerungen an eine und i glorreiche. À 30 ans Jahre nach der letzten Meisterschaft wird dieser tief empfundene Kult a jene Persönlichkeit aus der Welt des Fußballs von Generation zu Generation weitergegeben. C’est ist der Kult um »D10S de Napule«, den Dios von Neapel.

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Oh maman maman maman maman

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oh maman maman maman maman

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Sai perché my batte il corazón?

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J’ai vu Maradona

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ho vu maradona

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e, mammà, innamorato ils sont! ²

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Anmerkungen

1 Der Fischer und Händler Masaniello war 1647 der Hauptanführer eines Volksaufstandes in Neapel und übernahm für zehn Tage die Macht in der Stadt. Bis heute genießt er in Neapel große Popularität.

2 Gesang aus den 80er Jahren, der noch immer von Neapels Tifosi angestimmt wird. Übersetzt:

O maman, maman, maman

O maman, maman, maman

Weißt Du, warum mein Herz so schlägt?

Maradona hab ‘ich gesehen

Maradona hab ‘ich gesehen

Und, maman, mich sogleich verliebt!

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